Brühler Aktion 60+
       Zeit für Herzlichkeit

4. Lesung

Gewalt und Segen (22.7. 2013)

Auf dem Platz vor der Jerusalemer Al-Aqsa-Moschee treffen sich Isaak und Ismael. [Man hört den Ruf eines Muezzin]

Isaak Hallo Ismael, Bruder. Schön, Dich zu treffen. Und dann noch im heiligen Jerusalem!

Ismael (umarmen sich) Oh, Isaak, ich grüße Dich! Schön, Dich wieder zu sehen. Und was zieht Dich in die heiligste aller Städte? 

Isaak Ach Ismael, uns Söhnen Abrahams ist doch klar, wie wichtig Jerusalem für die Religionen ist. Auf dem Zion wurdest laut Koran Du, und laut Bibel ich, geopfert. Na, und warum bist Du hier?

Ismael Wie Du sagst, Jerusalem ist die Hauptstadt der Religionen: Juden denken an König David, an Salomos Tempel und Christen an Jesu Leiden, Tod und Auferstehung…

Mohammed (tritt plötzlich hinzu) … und Muslime? Sie erinnern sich hier an meine nächtliche Reise in den Himmel.

Isaak Ismael (verneigen sich vor Mohammed und der vor ihnen) Salam Aleikum, der Friede sei mit Euch…

Mohammed Den Frieden wünschen wir allen. Aber die Menschen machen sich ihr Leben schwer. Die Muslime in Israel fühlen sich verdrängt und ziehen weg.

Isaak Solche Leiden sind untrennbar mit Jerusalem verbunden. Seine Einwohner wurden von den Babyloniern verschleppt und von den Römern vertrieben. Doch derzeit scheint so etwas wie Frieden zu herrschen. 

Ismael Bruder, du bist ein Optimist: „So etwas wie Frieden?“ Aber Du hast doch gehört, was Mohammed gesagt hat. Araber verlassen die Stadt. 

Mohammed Ja, sie fliehen, manche sogar nach Europa. Über das Mittelmeer. Mit Syrern und Afrikaner. Die Welt aber beachtet sie nicht. Der Krieg in Syrien und im Irak zieht alle Aufmerksamkeit auf sich.

Isaak In Jerusalem geht es Arabern doch besser als im Gazastreifen und in Hebron. Aber der Konflikt dauert an. Und wir sollten nicht warten, bis er ausbricht. Sondern fragen, was die Religionen tun können, um ihn zu lösen.

Mohammed (wiegt den Kopf) „Besser als im Gazastreifen?“ Das sagt nicht viel. Dort fehlt es fast an allem. Angefangen mit sauberem Trinkwasser. Irgendwann wird sich der Zorn Luft verschaffen. 

Isaak In einem Aufstand, einer dritten Intifada? Aber unser Ziel ist doch der Friede!  

Mohammed (hebt die Hände als Zeichen der Ohnmacht) Allah bewahre uns vor einem Krieg. Ich verstehe Euch, Isaak. In Israel leben die Menschen besser als in den Nachbarländern. Aber dieser Staat ist kein Vorbild! 

Ismael (legt ihm die Hand auf die Schulter) Prophet, im Vergleich mit Syrien und Irak ist er es doch. 200 Kilometer von hier, ist die Hölle los. Die barbarischste Katastrophe seit dem 2. Weltkrieg! 

Isaak Ach, wenn das Morden doch ein Ende nähme! Das könnte doch für die kommenden Generationen zum abstoßenden Beispiel werden! So wie Europa nach dem 2. Weltkrieg zum Frieden gefunden hat.

Mohammed Das wird schwer. Im Augenblick herrschen Schrecken und Angst pur. Hunderttausende wurden schon getötet. Und der „Islamische Staat“? Er schändet Frauen, schlachtet Männer mit Schwertern, und stellt die Bilder ins Internet. Mich schüttelt es!

Ismael Sogar vor Glaubensbrüdern schreckt dieser IS nicht zurück! Seine Morde und Assads Bomben sind wie ein Wettkampf der Unmenschlichkeit!

Mohammed Vater der Araber, ich kann Euch gut verstehen. Aber ich leide  mit den ermordeten Christen, meinen früheren Feinden, genauso wie mit den Opfern von Schiiten und Sunniten. Alle müssen sich aussöhnen. 

Isaak Prophet, Danke. Euer Mitleid möge die Opfer trösten. Von diesen Schmerzen ist das demokratische Europa verschont. Es ist gesegnet, und viele Menschen sind sogar bereit, den Segen Abrahams weiterzugeben. An die Flüchtlinge. 

Ismael Ja, Bruder, sie haben ein Auge für das Notwendige und werden belohnt. Anderen zu helfen, schenkt Freude und Kraft. Aber wie lassen sich die Kriege beenden? Und die Not in Afrika beheben? Habt Ihr eine Idee? 

Mohammed (hält die Hand vor den Mund) Hm. Ich frage mich, ob wir Jenseitige überhaupt helfen können, Zwischen uns und ihnen klafft doch ein unüberwindbarer Abgrund[1]. So sagt es zumindest die Bibel.

Isaak Ja, aber Jesus erzählte von der Bitte eines Reichen an Abraham. Das heißt, Lebende sind fähig, sich in die Lage anderer zu versetzen. Sie können sich auch vorstellen, was Gottes Segen ihnen schenkt, und was er erwartet.

Ismael Du hast recht Bruder. Sie sind unsere Nachkommen. Hervorgegangen aus Gottes Schöpfung. Sie finden sein Wort in der Bibel und im Koran und, was Gott ihnen mitgeteilt hat, können sie auch auf ihr Leben anwenden.

Mohammed Ach, könnte ich so selbstgewiss sein wie Ihr. Aber Eure Worte trösten mich. Und ja, ich zweifle nicht, dass ich den Koran von Gott empfangen habe. 

Isaak Und wir sind sicher, dass Gottes Geist im gesamten Universum lebt … in allen Menschen. Auch in Syrern und Irakern werden. Sie werden  ihn finden, wenn sie ihn suchen.

Mohammed Diese Gewissheit teile ich auch. Aber die Grausamkeiten zermürben auch die Hoffnung. Woher kommen diese Verbrechen und Morde?

Ismael Wir haben schon darüber gesprochen. Ihre Wurzel ist die Abstoßung. Überwiegt sie, nehmen Hass und Bosheit zu. Freundschaft und Güte wachsen, wo die Anziehung stärker ist. 

Mohammed Ja, das verstehe ich. Ich spüre es auch in mir. Die Freundlichkeit anderer stärkt meine Zuneigung zu ihnen. Das halte ich für gut. Um-gekehrt gilt dasselbe für die Ablehnung. Und das sehe ich als eine Gefahr.

Isaak Könnt Ihr das korrigieren? Und wie?

Mohammed Ach, ich spreche mit Freunden, auch über Gefühle.

Isaak So empfinde ich es auch: Gespräche helfen den Menschen, sich zu überprüfen und ihr inneres Gleichgewicht wieder zu finden.

Ismael Von diesem Ideal weichen sie jedoch immer ab. Nur in Gott waren die beiden Urkräfte vereint. Er hat Adam und Eva geliebt, musste sie aber aus dem Paradies verstoßen, weil sie sein Gebot verletzt hatten.

Mohammed Doch von Jesus habe ich die Vorstellung reiner Liebe und Unschuld. Auch wenn ich in den Evangelien Beispiele harter Worte finde, etwa beim angedrohten Untergang von Jerusalem und Kafarnaum.

Isaak Prophet, ja. Jesus war auch ein Mensch, er durfte durchaus zornig reagieren. Aber die „Drohungen“ (Anführungszeichen mit den Händen andeuten) haben sich auf Ereignisse bezogen, die schon eingetreten waren, als Markus das erste Evangelium geschrieben hat.

Ismael Bruder, wurden Jesu Worte im Neuen Testament etwa verfälscht?

Isaak Bestimmt nicht. Er muss Ähnliches geäußert haben. Aber Verwünschungen widersprechen seiner gesamten Persönlichkeit.

Mohammed Ja, mich hat ein Wort aus dem Hebräerbrief überzeugt: Jesus war in allem den Menschen gleich, außer der Sünde[2]. Und keinen anderen Propheten halte ich so hoch in Ehren wie ihn.

Ismael So steht es auch im Koran. Aber wie lässt sich der anscheinend tief verwurzelte Hass auf Christen in muslimischen Ländern verstehen?

Mohammed Hass lässt sich nicht verstehen, nur erklären: Mit der Blindheit der Gefühle. Wie der zwischen Sunniten und Schiiten… Da sind wir wieder bei den beiden Kräften. Anziehung und Abstoßung können sich fast unendlich verstärken.   

Ismael Und was lässt sich gegen den Hass und für die Versöhnung tun?

Isaak Es gibt, so weit ich die Geschichte kennen, nur einen Weg: die Versöhnung der Streitenden. So wie in Südafrika nach der Apartheid.

Mohammed Es wäre großartig, wenn das in Syrien gelänge. Dann würde aus dem Bösen und dem Krieg Gutes entstehen. Also: yalla! An die Arbeit. Was empfehlen wir? In Syrien eingreifen? Aber wer – die UNO?

Ismael Prophet, Ihr legt den Finger in die Wunde. Ein Präsident führt Krieg gegen sein Volk und wird unterstützt von der Großmacht Russland. Die aber verhindert eine Intervention der UNO. 

Mohammed Aber etliche Staaten greifen doch ein. Wie im 30-jährigen, dem Krieg des Kaisers gegen die Protestanten. Damals Dänemark, Frankreich und Schweden. Und heute? Mit und gegen Russland sind das die Türkei, Iran, Saudi-Arabien…

Ismael (wiegt den Kopf) Wenn dieser Krieg sich wiederholt, wird es furcht- bar. Wegen der langen Dauer und weil in den Kampfzonen fast die Hälfte der Bevölkerung getötet wurde. Wenn Konflikte Interventionen verlängern können, sollte man dann auf sie verzichten?

Isaak Eher nein. Das Eingreifen muss aber überlegt sein. Wer sollte den ersten Schritt tun? Islamische Gelehrte? Können Sie zum Segen werden?

Mohammed Die Al-Azhar Universität in Kairo hat schon zum Frieden auf- gerufen. Solange aber das sunnitische Saudi-Arabien den Aufstand unterstützt und der schiitische Iran den Präsidenten Assad, wird sich wenig bewegen.

Ismael Eine Art Waffenstillstand wurde vorgeschlagen, ein „humanitärer Korridor“, um Menschen zu versorgen und Kranke in Sicherheit zu bringen. Ich frage mich jedoch, ob der „Islamische Staat“ dem zustimmt.

Mohammed Er wäre ein Werk der Barmherzigkeit. Aber wie weit sind die Islamisten davon entfernt! Und nicht nur das: Sie ziehen mit ihrem Namen alle Muslime in ihre Verbrechen hinein.  

Isaak Und Assad? Er hat doch wohl mehr Menschen auf dem Gewissen als der IS. Wenn er eines hat! Unbarmherzig ist er, fraglos. 

Mohammed (seufzt) Beide Seiten sind unbarmherzig und unislamisch.

Isaak Die Muslime distanzieren sich aber nicht von ihnen! Das schadet allen Gläubigen. Auf die Dauer identifiziert man sie mit den Extremisten.

Mohammed Das bedaure ich. Aber meine „gemäßigten“ Kindern scheuen sich vor Verurteilungen. Sie nehmen sogar hin, dass Mörder als „Islamisten“ bezeichnet werden. 

Ismael Prophet, ja. Ein Islamist wäre für mich jemand, der seinen Glauben studiert oder lehrt. So wie ein Romanist die romanische Kultur. Doch das ist nur die sprachliche Seite. Die Grausamkeit des IS das wahre Problem.    

Isaak  Aber ja! Er zerstört in Syrien auch die Spuren der antiken Kultur. Dort lebte um 300 der christliche Theologe Ephräm. Im 7. Jahrhundert kamen Eure Kalifen. Sie haben die Christen noch toleriert. Aber heute!

Mohammed Für Christen ist das bitter, sie stehen zwischen allen Fronten, haben zu Assad gehalten und gehofft, er würde sie schützen. Doch der hat mit Bomben auf Städte den Bürgerkrieg ausgelöst.

Isaak Klar. Er muss sich dasselbe sagen lassen wie der IS: Verbrechen und Gewalt werden durch keine Religion gerechtfertigt! 

Ismael Da sind wir einig. Aber aus Europa ziehen tausende junge Leute freiwillig, ich wiederhole: frei-wil-lig!, zum IS nach Syrien. Sogar Frauen. Obwohl sie nach ihrer Rückkehr bestraft werden! Aber damit rechnen nur die wenigsten.

Isaak Mohammed, könnt Ihr das erklären? Was zieht die Menschen zu den islamischen Extremisten? 

Mohammed Söhne Abrahams, ich bin ratlos. Vielleicht suchen einige das Erlebnis, gebraucht zu werden, sinnvollen Einsatz für eine große Sache?

Isaak Möglicherweise appellieren die Islamisten an ihre Barmherzigkeit, an den Wunsch anderen zu helfen?

Ismael Anderer Vorschlag: Ich war ja einst Jäger und kann mir vorstellen, dass sie das Abenteuer suchen, den Kitzel, den „Kick“, wie es heute heißt.  

Isaak Man hört, es wären auch Kinder unter den Neu-Kämpfern … (die anderen, ziehen die Augenbrauen hoch, schauen auf ihn) Ja Kinder, die unter Stress standen, in der Schule gescheitert sind und etwas völlig Neues suchen.

Mohammed Söhne Abrahams, alle diese Motive können eine Rolle spielen. Mir werden aber zwei Dinge klar. Die Jugendlichen haben bisher vor allem Abstoßung erlebt. Und ihnen fehlt der Wunsch, ein Segen zu sein.  

Isaak Ganz genau! Über den Segen wird in Europa nicht gesprochen. Die Staaten schützen die Jugendlichen nicht

Ismael Genauso wenig wie die Flüchtlinge auf dem Mittelmeer. Allerdings nimmt man die auf, die ankommen.

Mohammed Aber nur kurze Zeit, dann überlässt man sie ihrem Schicksal.

Isaak Mir passt das nicht. Alle Europäer wissen, dass die Bootsflüchtlinge zu ihnen wollen. Sie lassen aber Tausende ertrinken und sind damit doch mitschuldig an ihrem Tod. Das soll wohl abschrecken. Aber so viele Tote!

Ismael Freunde, Lampedusa ist ein Ort der Hoffnung. Inzwischen aber auch der Angst und des Schreckens. Wir müssen ihn besuchen …

Mohammed Einverstanden, machen wir uns selbst ein Bild!

***

Lampedusa, Man hört Schiffssirene, vorbeifahrende Autos

Isaak  Lampedusa! Welch ein Ort des Todes. Wie viele Särge standen hier schon mit Ertrunkenen, die aus dem Meer geholt worden waren!

Mohammed Und wie viele andere sind im Meer vor dieser Insel versunken! Für immer und spurlos! Wer hier nicht weint, hat keine Seele.

Isaak Mohammed. Es reicht nicht, diese Katastrophen zu bedauern und die Opfer zu betrauern. Die Europäer müssen sich ändern, wenn sie nicht mitschuldig bleiben wollen. Mit diesem Appell hat der neue Papst sie vor zwei Wochen konfrontiert.

Mohammed Richtig, und ich behaupte: Ich habe nicht als einziger den Atem angehalten, als er einen Blütenkranz ins Meer geworfen und den Europäern vorgehalten hat, sie hätten helfen können, seien aber untätig geblieben.

Isaak Ja, damit hat er alle Menschen angesprochen. Wer ein Herz hat, darf nicht wegsehen, wenn andere leiden. Eigentlich kann er es auch nicht.    

Ismael Und bei ihnen stärkt der Papst die Kraft der Anziehung. Andere kann er aber daran erinnern, dass alle füreinander verantwortlich sind. 

Mohammed Vergesst, bitte, die Kraft der Abstoßung nicht: Es gibt Menschen, die wehren instinktiv alle Fremden ab, die verteidigen ihre „Heimat“ wie ein Hund seine Hütte und schüren Angst vor Chaos…    

Isaak Klar, Prophet, aber hier im Bereich der Gefühle, fürchte ich, dass bei einer großen Zahl die Abstoßung sich schon so verfestigt hat, dass sie nicht mehr aufzubrechen ist.        

Mohammed Söhne Abrahams. Uns muss aber klar sein, dass ein Klima des Hasses den Religionen ihren Boden entzieht.

Isaak Oh, ja, Prophet. Und die nächste Stufe sind Angriffe auf Flüchtlinge. Schon wer sie „nur“ beleidigt, verstößt gegen Gottes Gebot der Barmherzigkeit.

Ismael Völlig einverstanden, Bruder, und sie beginnt beim Egoismus und der Engherzigkeit, den ersten Zeichen der Abstoßung. Und die findet Ihr in ganz Europa.

Mohammed Aber der Papst kann doch nicht ganz Europa verurteilen. Dazu hat er doch kein Recht. Seine Gegner würden ihn verlachen, und er riskiert, sein Ansehen zu verlieren.

Isaak Prophet, ich denke, er hat das erkannt wie Ihr und wir beide. Das Böse zu verurteilen, reicht nicht. Ismael, Du hast gerade eben erklärt, er haben ein Zeichen der Anziehung gesetzt und sein Mitgefühl ausgedrückt.

Ismael Aber so weit ich Europa in den zwei Wochen seitdem beobachte, bleibt alles beim Alten. 

Mohammed (nickt) Schon, schon. Kein Abkommen wurde geändert, und wenn die Flüchtlinge die Fahrt überleben, kommen sie weiterhin in Italien an und versuchen, sich nach Norden durchzuschlagen, Deutschland, Niederlande, Schweden…

Isaak Eines habe ich aber doch bemerkt: Wo Flüchtlinge von einer Abschiebung bedroht sind, gewährt eine wachsende Zahl Pfarreien „Kirchenasyl“. Und die Kirchennahen unterstützen ihre Pfarrer. 

Mohammed Und was habt Ihr von den anderen Gruppen erfahren. Wie nehmen die das Kirchenasyl auf? Es ist ja rechtlich nicht abgesichert. Und im September stehen in Deutschland auch Wahlen an.

Isaak Oh, ja. Da kandidiert eine europakritische rechte Partei und will die Aufnahme von Flüchtlingen begrenzen.

Mohammed Wird sie in den Bundestag einziehen?

Isaak Das ist nicht sicher. Die Fremdenfeindlichkeit ist nicht gewachsen. Auch wenn Helfer ab und an ein gegrummeltes, grimmiges „Gutmenschen“ hören. Vater könnte sich freuen. Vor allem weil kirchenferne und christliche Freiwillige einander entdeckt haben.

Ismael Bruder, das finde ich auch erfreulich. Ich hab‘ den Eindruck: Da hat sich eine, ich sag‘ ‘mal: klammheimliche, Komplizenschaft gebildet …

Mohammed (applaudiert) Dem schließ* ich mich an. Die Anziehung wächst.  Was auch immer da entsteht, es wird nicht vergessen werden.

Isaak Das hoffe ich auch. Das Wort des Papstes wirkt. Es herrscht so ein Geist zwischen: „Wir haben verstanden“ und: „Bei der nächsten Gelegenheit bin ich dabei.“  

Ismael Und in mir entsteht das Bild einer erwartungsvollen Bereitschaft, den nächsten Einsatz für die Flüchtlinge nicht zu verpassen.

Mohammed Söhne Abrahams, ich kann nur wünschen, dass diese Stim-mung lange anhält. Niemand weiß, wie lange es dauern wird, bis wieder Friede herrscht.

Ismael  Ja, Prophet. So sehr wir uns über diese kleinen Fortschritte freuen. Der Friede ist noch weit.  

Mohammed Söhne Abrahams, vielleicht enttäusche ich Euch. Das größte Problem ist für mich nicht der Friede: Es ist die Rettung der Menschheit vor der drohenden Klimakatastrophe.

Ismael Prophet, seid Ihr da nicht zu anspruchsvoll? Noch haben wir keinen Frieden, und Ihr relativiert ihn schon. Wie wertvoll er ist, zeigt Euch doch die Geschichte: Seit 1945 hat es ganze 14 Tage ohne Krieg gegeben.

Isaak Und Friede ist doch eine zentrale Aufgabe aller Religionen. Der auferstandene Jesus begrüßte seine Jünger mit: „Der Friede sei mit Euch“. Christen kämpfen derzeit selbst nicht, fallen aber an vielen Orten Kriegen zum Opfer.

Mohammed (legt den Arm um Isaak) Söhne Abrahams, wir müssen einan-der nicht bekehren. Wir sehen: die Menschheit plagt sich selbst und wir leiden mit ihr. Das Beste wäre: Meine Kinder würden in Barmherzigkeit den Christen beistehen, aber sie verschonen sich nicht einmal selbst.    

Isaak Wie weit ist die Menschheit davon entfernt, ein Segen zu sein! Und Ihr meint, Prophet, der Friede wäre nicht die Hauptaufgabe?

Mohammed  Als Gott Adam und Eva erschaffen hatte, gab er ihnen den Auftrag, die Erde zu schützen. Wenn die Temperatur der Atmosphäre aber weiter steigt, ist das ein Attentat der Menschheit auf sich selbst. 

Ismael Aber das drängendste Problem sind doch die Kriege, die jeden Tag Tausende töten.

Mohammed Völlig richtig, Ihr Söhne Abrahams. Versteht bitte: Die Kriege finden im armen Süden statt. Beim Klima geht es jedoch um die ganze Menschheit, auch um das Überleben der reichen Staaten des Nordens.

Ismael Und Ihr meint, dass die Rettung des Klimas die Nordstaaten bewegen soll, ihren Brüdern im Süden beizustehen? Hm. Das kann stimmen. 

Isaak Mein Ziel wäre, dass die Menschen entdecken, wie sie mit Abraham ein Segen werden können, mit Jesus die Liebe, und mit dem Koran die Barmherzigkeit entdecken.

Ismael, Mohammed, Isaak Der Friede sei mit Euch!

 


[1] Lukas 16,26


[2] Brief an die Hebräer 4,15