Brühler Aktion 60+
       Zeit für Herzlichkeit

Berichte der Mitglieder über Ihre Tätigkeiten an den Schulen 2013

Dr. Armin Bauer, Chemiker

Vor fünf Jahren, im Herbst 2008, gründeten wir zu dritt eine Schach-AG an der Jahnschule. Das war die Geburtsstunde unserer Aktion 60+. Wir, das sind zwei kompetente und erfolgreicher Turnierspieler (neben mir noch Dr. Hans Dvorak) und Helmut Mehrer, ein pensionierter Lehrer und Schachliebhaber Wir starten in diesem Herbst also in unser 6. Jahr und erwarten 12 – 16 Schüler der dritten und vierten Klassen. 

Ein Mal pro Woche erlernen die interessierten und wissbegierigen Kinder Grundlagen und Feinheiten des „königlichen“ Spiels, die wir an einem Demonstrationsbrett vorführen. Anschließend haben sie Zeit, das Wissen in Partien miteinander zu erproben. Dabei beobachten wir und spielen selbst mit ihnen, was sie nach unserer Erfahrung am liebsten mögen. Es fällt ihnen leichter, gegen uns zu verlieren, außerdem machen wir sie auf Fehler aufmerksam und geben ihnen Tipps. Da verlangt ihnen Konzentration ab, dennoch herrscht normalerweise eine freundschaftliche, entspannte Atmosphäre.

Nicht ganz so locker geht es bei unseren Turnieren vor Weihnachten und Ostern zu. Obwohl da nur Urkunden und Süßigkeiten (Nervennahrung!), spüren wir die Anspannung unter unseren Kiddies, die um die besten Resultate und Platzierungen kämpfen. Das soll auch so sein.

Wir halten es für erwiesen, dass Schachspielen viele Eigenschaften fördert. Die meisten denken dabei an logisches, strategisches Denken und an Fantasie. Nicht weniger wichtig sind aber Disziplin und Konzentrationsfähigkeit - Eigenschaften die auch in der Schule und im späteren Leben nützlich sind. 

Wir danken Herrn Michael Körber, Rektor der Jahnschule, der unsere AG wohlwollend und freundlicher fördernd zur Seite steht und wünschen uns für das sechste und noch etliche folgende Jahre begeisterungsfähige junge Teilnehmer!

Dietlinde Blank, Lehrerin

Wenn ich M. am letzten Schultag fragte, ob er nach den Ferien weiter mit mir arbeiten will, kam ein promptes  Ja. Das geschah dreimal, denn seit drei Jahren treffe ich ihn, zwei Mal in der Woche, um mit ihm zu lernen. Er ist ein ernster, schwieriger Junge, der zu Hause viel Zeit mit Computerspielen verbringt. Die Schule macht ihm keinen Spaß.
Zu unseren Stunden bringt er von seiner Lehrerin Aufgaben mit - meistens in Deutsch-, die wir dann bearbeiten. Ist alles gut gelaufen, spielen wir am Ende Stadt-Land -Fluss. Er liebt dieses Spiel. Und so ist die Aussicht, am Ende zu spielen, oft Motivation zum Lernen.  Ich glaube, dass neben dem Lernen das Zwischenmenschliche dem Jungen gut tut.

Und das  motiviert mich.
Jede Woche neu.

Elsbeth Franz, Kauffrau

gestern war auch  für mich der "letzte Schultag" und ich habe als Abschluss die Klasse in den Luisenpark begleiten dürfen.

Es war schön zu sehen, dass auch die Kinder außerhalb der Schule meine Nähe gesucht haben. Ein Zeichen, dass die Einzelbetreuung bei den Kindern gut ankommt. Von der Lehrerin wurde ich anschließend mit einem Blumenstrauß  in die Ferien "entlassen" mit der Bitte, im kommenden Schuljahr wieder in ihrer Klasse aktiv zu werden.

Im Schuljahr 2012/2013 war ich an der Schillerschule in einer der 4 jahrgangsübergeifenden „Jami-Klassen“ immer montags für 4 Unterrichtsstunden.

In dieser Zeit betreute ich ein Kind intensiv in der Fächern Deutsch und Mathematik.  Um die Konzentration des Kindes aufrecht zu erhalten (bei ADHS nicht immer einfach), verwendete ich neben dem normalen Unterrichtsmaterial, auch Gedächtnis- und Lernspiele, die ich von zuhause mitgebracht habe.

Die Arbeit mit den Kindern macht mir persönlich sehr viel Spaß, vor allen Dingen da von den Kindern die bedingungslose Zuneigung entgegenkommt. Freude bereitet es mir auch, die  positive Entwicklung  der Kinder zu sehen.

Ich freue mich jetzt auf die Sommerferien, aber auch auf den neuen Einsatz im kommenden Schuljahr.

 

Erik Freck, Jurist

Ich bin vor einem Jahr in den Ruhestand getreten. Und vom ersten Tag habe ich eine Möglichkeit gesucht, mich sozial zu engagieren. Zwei Freunden, die bei der Aktion 60+ mitmachen, haben mich eingeladen, zu einem Treffen mit dem Psychologen und Pfarrer Peter Kruse zu kommen. Es wirkte sehr motivierend auf mich.

Bald danach hat mir die Marion-Dönhoff-Realschule angeboten, mich um einen Schüler der 6. Klasse mit „Migrationshintergrund“ zu kümmern. Von Anfang an habe ich gespürt, dass ich einen persönlichen Zugang zu ihm gefunden habe, denn fast jedes Mal hat er mir auch von seinen privaten Erfahrungen in der Familie und mit seinen Freunden berichtet. Der Schwerpunkt unserer Arbeit lag jedoch in den Schulfächern Deutsch und Englisch. Wir haben intensiv Lesen trainiert.

So ist über das Jahr hinweg eine vertrauensvolle Stimmung entstanden. Sie hat mich meine Arbeit mit ihm nie als Belastung, sondern als eine Bereicherung empfinden lassen.

Ja, und jetzt ist er in die 7. Klasse versetzt worden. Selbstverständlich habe ich mich mit ihm darüber gefreut. Als eine besondere Bestätigung habe ich auch seinen Dankeschön-Brief empfunden, den er mir am Ende des Schuljahres geschrieben hat. Er hat darin über seine großen Fortschritte in Deutsch, im Lesen und auch in Englisch berichtet.

Wird es nächstes Jahr mit ihm weitergehen? Er hofft es und meint, dass ich auch noch in den weiteren Jahren seiner Schulzeit mit ihm zusammenarbeite. Mir würde das auch zusagen, denn für mich bedeuten seine Worte eine wertvolle Anerkennung meines Einsatzes. Auch die herzliche Beziehung zwischen uns ist ein Anreiz, meine Arbeit mit ihm fortzusetzen.  

 
Francoise Gaillard-Schumacher, Kauffrau

Als im Herbst 2009 die Aktion 60 + ihre Tätigkeit auf alle Brühler Schulen ausweitete, erhielten wir sehr schnell einen Hilferuf aus der Schiller-Schule: 4 neue Migrantenkinder ohne Deutschkenntnisse waren soeben angemeldet worden, und die Aktion 60+ wurde händeringend gebeten, die zuständigen Lehrkräfte tatkräftig zu unterstützen. So berieten wir uns mit der Koordinatorin der Schule, wie das beste Verfahren sein könnte. 5 Senioren wurden ausgesucht, von denen jeder bereit war, an einem Tag der Woche mit den  4 Schülern zu arbeiten. Jeder von uns bekam „seinen“ Einsatztag, und wir bildeten 2 Schülergruppen mit jeweils einer Stunde. So wurde ich die "Montagstante", zunächst mit den 2 Schwestern, Luzin und Jeva, und anschließend mit den Brüdern Kärtan und Wilhem. Wir arbeiteten zunächst mit bebilderten Arbeitsblättern, um ihnen Wortschatz und Aussprache beizubringen. Da hatten die Jungs zum Beispiel enorme Probleme, das Wort Schrank "Schrrraaannk" auszusprechen. Alle vier kämpften mutig mit den Ä, Ö, Ü dieser Welt. Wir lachten auch viel dabei .In einem nächsten Schritt übten wir Lektüre und Konversation über den Alltag der Kinder. Am Jahresende war es so weit, dass die Verständigung bestens klappte. Alle vier wurden in die höhere Klasse versetzt. Und der Kontakt blieb. Jedes Mal, wenn wir uns in Brühl zufällig auf der Strasse beim Einkaufen treffen, gibt es fröhliche Hallos. Inzwischen weiß, ich dass Luzin und Jeva die Schule in Brühl erfolgreich beendet haben und ihre weitere schulische Zukunft vorbereiten. Kärtan und Wilhelm besuchen in Heidelberg ein internationales Gymnasium.

Seitdem frage ich immer, ob man mich zur Unterstützung von Kindern mit Migrationshintergrund einsetzen kann und will. Bis jetzt kann ich nicht über Arbeitsmangel klagen. Im Schuljahr 2012/2013 hatte ich zunächst  4 und dann noch 3 Schützlinge im Einzelunterricht an der Marion-Dönhoff-Realschule.

Schon heute freue ich mich auf den nächsten Einsatz in der neuen Saison.

Rainer Knapp, Betriebswirt

Ich bin an zwei Schulen tätig. An der Schillerschule arbeite ich mit Kindern der Klassen 4 – 6 vor allem nach den offiziellen Schulstunden. Wir wiederholen die Inhalte von Englisch und   Mathematik. In der Realschule habe ich zuerst  Einzelunterricht in den Klasse 5 und 6 gegeben, eine Luxussituation für meinen Schüler. Die Zusammenarbeit war so erfolgreich, dass ich im zweiten Jahr plötzlich drei vor mir saßen. Das war schwieriger, aber erfreulich, denn alle haben deutliche Fortschritte gemacht. Dann brauchte noch ein anderes Kind meine Hilfe in Mathematik. Diese Zusammenarbeit soll im neuen Schuljahr (Klasse 8) fortgesetzt werden. Es soll sogar ein weiteres  Kind hinzukommen.

Im sozialen Bereich aktiv zu sein, war mir schon immer ein großes Anliegen. Jetzt im Ruhestand, mit etwas mehr „freier“ Zeit kann ich das in der Tat nachhaltig realisieren. Im Bildungsbereich tätig zu sein, ist ein schönes und herausforderndes Ehrenamt. Ich halte Bildung für eines der größten und wichtigsten volkswirtschaftlichen Güter. Durch die Arbeit mit den Schülern bleibe ich in Kontakt mit der aktuellen Entwicklung und kann persönliche Erfahrungen mit den offiziellen Berichten zum Bildungswesen vergleichen. Wichtig ist mir auch, Migranten zu unterrichten, denn damit beteilige ich mich positiv an ihrer Integration.

Die Kinder, die ich bis jetzt betreut habe, waren alle willig und gerne bereit, mit mir zu arbeiten. Sie  zeigten auch immer den erforderlichen Respekt,  wenngleich ich grundsätzlich einen freundschaftlichen und lockeren Umgang mit ihnen pflege. Gewiss, Lernerfolge stellen sich bei nur einer Wochenstunde nur sehr langsam ein. Wenn aber die Fachlehrer bessere Klassenarbeitsnoten mit meiner Hilfe erklären, fallen auch meine Ratschläge zu besserem und richtigem Arbeiten auf fruchtbaren Boden. Die Kinder lernen dann z.B. mehr und intensiver Vokabeln. Und plötzlich verstehen sie auch  den Inhalt der Lektionen besser. Da greift eines ins andere.

Die Unterstützung durch die Schulleiter und die gute Zusammenarbeit mit den Klassen- und Fachlehrern empfinde ich als einen Grund tiefer Zufriedenheit und großer Freude. Auch in ihnen sehe ich eine Antwort auf die Herzlichkeit, die ich wecken will.

Dittmar Köhler, Betriebswirt

 In der Marion Dönhoff Realschule betreue ich seit 2 Jahren 2 Jungs. Der eine hat nun die 6., der andere. die 7. Klasse abgeschlossen. 

Die beiden treffe ich immer freitags in den letzten beiden Unterrichtsstunden. Oft ist dann ihre Konzentration und Aufnahmefähigkeit auf dem Tiefpunkt. Besser wäre es sicher, freie Stunden an anderen Wochentagen zu finden. Doch ihre Stundepläne sind voll.

Hauptsächlich geht es bei beiden um Deutsch, Mathematik und Englisch. Gesellschaftliche Themen und den Umgang mit anderen besprechen wir regelmäßig.  

Jungen reden wenig von Gefühlen. Doch zum Abschluss des Schuljahres habe ich neben kleinen Geschenken von beiden auch handgeschriebene Briefe erhalten. Zusammen sehe ich dies als "mein" Zeugnis für das vergangene Schuljahr an.

Zitate daraus:

„Es hat mir Spaß gemacht und ich habe mich immer mehr auf die Stunden gefreut.“ „Ich bedanke mich sehr bei Ihnen, dass Sie mir geholfen haben.“ "Ich danke Ihnen dass Sie nicht nur schulische, sondern auch moralischen und Lebensstoff mit mir durchgenommen haben.“ Die Arbeit mit den Schülern bereitet mir nicht nur Freude, sie ist auch Ansporn für weitere Aktivitäten. Insbesondere geht es mir darum, dass alle Kinder möglichst gleiche Chancen für eine gute Ausbildung und persönliche Entwicklung erhalten. Dass sie offen auf Andersdenkende eingehen und ihre Meinung mit Argumenten vertreten können.

Edgar Kutzer, Betriebswirt

In der Schillerschule fühle ich mich sehr ernst genommen. Die beiden Rektorinnen, Frau Ric und Frau Schmidt-Schulte, haben mich mit den Klassen- und Fachlehrern in meine Aufgaben eingeführt. Schnell gaben mir alle das Gefühl, voll integriert und akzeptiert zu sein.

Meinerseits unterstützte ich sie, indem ich für drei Schüler parallel zum Unterricht Übungsstunden in Deutsch und Mathematik gab. Wir gingen konzentriert an unsere Arbeit, machten aber auch Wettbewerbe, was dem Trio gut gefiel. Ich spürte, sie wollten fit werden.

Besondere Freude machte mir jedoch der Englischunterricht in der 10. Klasse. Meine Sprachkenntnis aus langjährigen Auslandsaufenthalten gab ich in Konversationsstunden weiter. Dabei achteten wir nicht nur auf Grammatik und Aussprache. Ich hatte auch Gelegenheit, über „englisches Denken“ und meine beruflichen Erfahrungen zu sprechen. Die Schüler machten begeistert mit und waren selbst überrascht, wie schnell und wie gut sie sich in Englisch verständigen konnten.

Den Höhepunkt bildete die Zeit vor der Abschlussprüfung: In einer Stunde pro Woche ergänzte ich die reine Konversation um Aufsatzschreiben und Grammatik-Erklärungen. Nach einem „small talk“ zu Beginn redeten die Schüler entspannt fast ausschließlich englisch. Ich korrigierte nur ihre Aussprache und den Satzbau, wo mir das nötig erschien.

Sehr viel Spaß machen mir auch die Rechtschreibekurse an der Marion-Dönhoff-Realschule. Herr Rektor Gantner, die Schulsozialpädagogin Jaqueline Manzanet und die Klassenlehrerin Frau Pfahler vertrauten mir einen Schüler an, den ich jetzt im 2. Jahr betreut habe. Mit freundlich motivierenden Gesprächen habe ich seine anfängliche Unsicherheit überwunden. Unter-stützung braucht er in vielerlei Hinsicht: von den Rechtschreiberegeln bis hin zum leserlichen Schreiben. Insgesamt haben ihn seine zunehmenden Erfolge beflügelt. Mich aber auch.

Renate Liebchen, Chemotechnikerin

Ich wohne in der Nähe der Rohrhofschule, und ich mag Kinder Meine Enkel wohnen aber weit weg. Als ich in den Ruhestand versetzt wurde, hatte ich Zeit, vormittags auf der Terrasse zu sitzen, und da hörte ich lautes Lachen vom Schulhof her und fragte mich, ob ich dort nicht gebraucht würde. Ich überlegte mir, einfach dort hinzugehen. Da fiel mein Blick auf einen Zeitungsartikel über die Aktion 60+. Das war vor vier Jahren. Und seitdem bin ich dabei.

Eine freundliche Klassenlehrerin machte mir sofort einen Vorschlag. Ihre Kleinen können dem Unterricht nicht alle gleich gut folgen. Die Begabungen sind unterschiedlich, und die Fähigkeit mitzumachen auch. Deshalb haben wir etwas Anderes verabredet: Ich komme an einem Vormittag für zwei Stunden in die Schule und nehme dann ein Kind in meine Obhut. Das heißt, wir gehen in einen anderen Raum und vertiefen und ergänzen das, was das Kind nicht begriffen hat oder üben muss. Da es nicht immer dasselbe Kind ist, das meine Hilfe braucht, kenne ich inzwischen die ganze Klasse. Wir sind eine richtige Gemeinschaft geworden. Sie haben mich sogar bei einem Klassenausflug mitgenommen. Und als ich da ausgerutscht bin, haben sich alle so fürsorglich um mich gekümmert, wie ich das nicht erwartet habe: Die Klasse, die Lehrerin, die Schulsekretärin und die Rektorin. Ich bin heute noch gerührt, wenn ich an diese Hilfsbereitschaft denke.

In einem Wort: „Meine“ Schule gefällt mir sehr gut. Die Kinder sind lebhaft und clever, wenn man sie richtig anschaut, begreifen sie, was man will. Mit der Lehrerin verstehe ich mich prächtig. Und als jetzt am Schuljahresende die Klasse in eine andere Stufe kam, hat sie mir zum Abschied Pralinen und ein großes Photo geschenkt, allen Unterschriften und einem Brief:

Liebe Frau Liebchen,

Vielen Dank für Ihre Unterstützung. Wir sind froh, dass wir Sie haben.

Viele Grüße Ihre Klasse Jami C

Helmut Mehrer, Lehrer

 Als sich vor fünf Jahren ältere Bürgerinnen und Bürger zur Aktion 60+ zusammenfanden,  ging es ihnen wie vielen Altersgenossen in anderen Städten. Sie spürten ein Unbehagen. Sie hätten kopfschüttelnd über die „Graffitti“ an den Wänden, Kippen auf den Boden, über Rüpeleien und Unhöflichkeit der Heranwachsenden hinwegsehen können. Auch fehlende Ausbildungsplätze betrafen sie selbst nicht mehr. Eigentlich aber waren sie die Großeltern, und sie spürten, dass die jungen Widerborstigen unglücklich waren. Und tief in ihrem Inneren war ihnen auch bewusst, dass Menschen für alles verantwortlich sind, was sie sehen.

So boten die Senioren ihre Hilfe an: Unterstützung der Lehrer und der Schüler im Klassenzimmer oder in Übungsstunden parallel zum Unterricht oder anschließend. Und bald merkten sie, dass „ihre“ Schüler emotionale Unterstützung fast noch mehr brauchten als Rechenübungen und das Wiederholen von Rechtschreiberegeln oder Englischvokabeln.

Bis heute betrachten sie ihren Einsatz als „Zeit für Herzlichkeit“, mit der sie den Schülern begegnen, und die von ihnen zurückkommt. Nicht nur am Schuljahresende mit einem schokoladenen Dankeschön und einem Brief, sondern in allen Stunden.

Und jetzt, fünf Jahre später – Was hat es gebracht? Ausbildungsplätze gibt es heute genügend, aber die Ansprüche an die Bewerber steigen. Die Schüler werden die „senior experts“ -  Naturwissenschaftler, Ingenieure, Kaufleute und Lehrer -  weiter brauchen. Und die freuen sich, wenn sie von ihren Ehemaligen mit einem „Victory“-Zeichen, einem „Hallo“ oder auch einem „Guten Tag“ begrüßt werden.

Freundlichkeit und Höflichkeit haben in unserer Gemeinde zugenommen.

 
Wolfgang Reiser, Kaufmann

seit gut 2 Jahren betreue ich einen Schüler in der Marion-Dönhoff-Realschule, der nun in die 8. Klasse aufsteigt, vorwiegend im Fach "Deutsch".
Seit über einem Jahr ist ein weiterer Schüler aus der gleichen Klassenstufe hinzugekommen.
Kürzlich habe ich von beiden Jungen einen Danke-schön-Brief erhalten, worüber ich mich sehr gefreut habe, denn beide brachten zum Ausdruck, dass sie sich bei mir sehr wohl fühlen. Auch ich habe den Eindruck, dass sie sich nicht gezwungenermaßen zur "Nachhilfe" schleppen. Als ich einmal angekündigt hatte, den Unterricht einzustellen, war die erste Reaktion bei beiden tiefe Niedergeschlagenheit, und ich habe meine Worte sofort bedauert. In einem der Briefe hat ein Schüler mich darum gebeten weiterzumachen, was ich natürlich tun werde.
Der andere berichtet, dass er in Vokabeltests, in Aufsätzen und in der Rechtschreibung sich wesentlich verbessert habe. Beim Unterricht nehme er nun auch aktiver (mündlich) teil. Sein vor 2 Jahren noch sehr angeschlagenes Selbstwertgefühl ist enorm gestiegen, was ihm zu mehr Selbstsicherheit verholfen hat. Nach meinem Erkenntnisstand hätte er in Deutsch keine Nachhilfe mehr nötig, ich werde ihn, wohl aber beide noch eine Weile weiterbetreuen.
Dies sind natürlich Momente, wo man den Dank direkt oder auch unausgesprochen verspürt. Manchmal wollen sie gar nicht nach Hause, wenn ich mir parallel zum Unterricht etwas anderes einfallen lasse, woran sie Gefallen finden. Ich kann erkennen, dass ich sie nicht nur thematisch erreiche, sondern auch ganz persönlich bei ihnen ankomme.

 Heinz Steck, Ingenieur

 Mit meinen 81 Jahren bin ja eigentlich jenseits von Gut und Böse. Ich freue mich aber jedes Mal, wenn ich mittwochs um 9:20 in der Schillerschule das Klassenzimmer der 6a von Frau Warzel betrete und dort in Mathematik schwachen Schülern helfe, das Klassenziel zu erreichen. Es sind nicht immer dieselben Schüler, die mir Frau Warzel anvertraut, um sie im gegenüberliegenden Zimmer (ich glaube es ist das "Biologiezimmer") - getrennt von Ablenkungsmöglichkeiten - gezielt mit dem jeweiligen Stoff näher vertraut zu machen. Per E.-Mail werde ich tags zuvor von Frau Warzel mit der Aufgabenstellung vertraut gemacht, und ich mache mir dann schon einige Gedanken, wie ich den Schülern den Stoff leicht zugänglich mache. Am besten ist es mit zwei Schülern.
Habe ich drei Schüler, so haben zwei sofort etwas miteinander zu erzählen, wenn ich mich mit dem dritten etwas ausführlicher auseinander setzen muss. Normal hat nach meiner nicht maßgeblichen Ansicht etwa 1/3 der Schüler zusätzlichen Unterricht nötig. Es fallen auch zu viele Stunden aus.

Was mich persönlich berührt, ist die Feststellung, dass die Kinder gerne zu mir kommen, ja dass es fast immer ein Problem gibt, wer zu mir kommen darf. Wenn ich einem oder einer auf der Straße begegne, gibt es immer ein großes Hallo. Ich fühle mich voll integriert.

Frau Warzel rechnet auch im nächsten Jahr mit meiner Hilfe....

So aufgenommen zu sein, tut mir richtig gut.

 Monika Ludes-Albers, Kauffrau

Vor gut 1 ½ Jahren hat mir die Dönhoff-Schule angeboten, das Sprachdefizit einer holländischen oder einer polnischen Schülerin zu beheben. Ich bewarb mich für die Holländerin und bekam die Polin. Welch ein Glück, denn sie blieb, und das andere Mädchen zog bald wieder weg. Julia, 13 Jahre alt, war wissbegierig, aufnahmefähig und intelligent. Ich begann mit den alltäglichen Dingen, z.B. Zahlen, Haus, Kleidung, Uhrzeit, die wichtigsten Verben. Ich entwickelte mich zu einer phantasievollen Pantomimin, um mich verständlich zu machen. Später bekam ich dann durch die Vermittlung ihrer Deutschlehrerin einen Leitfaden zu ihrer Unterstützung, und siehe da: der Vorschlag bestätigte mein Vorgehen.

Julia ist willig und bereit, drei Mal die Woche für 1 ½ Stunden zu mir nach Hause zu kommen, da ich inzwischen gehbehindert bin. Sie kommt pünktlich bei jedem Wetter und hat gelernt, sich telefonisch abzumelden, wenn sie verhindert ist. Ihre Fortschritte sind so bemerkenswert, dass sie inzwischen Mitglied in der Bücherei wurde, weil sie eine Leseratte ist.

Die Familie dankt mir an Weihnachten und Ostern mit opulenten Süßigkeiten (Oha!). Ich mache weiter, so lange ich kann und sie es will und mag, denn beim Artikel gibt es noch viel zu üben.

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