Brühler Aktion 60+
       Zeit für Herzlichkeit

 RNZ vom 26.09.2017

 

 

 

Schulen in Brühl

"Aktion 60 plus" macht die Gesellschaft besser

Rund 30 ältere Menschen gehen seit fast zehn Jahren auf die Bedürfnisse von Grundschülern ein

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Der Pädagoge Helmut Mehrer (r.) ist einer der Mitbegründer der "Aktion 60 plus", die mittlerweile in ihr zehntes Jahr geht. Foto: Lenhardt

  

Von Stefan Kern

Brühl. Die Ökonomie ist nicht alles. Manchmal trifft sogar eher das Gegenteil zu. Die "Aktion 60 plus", die mit diesem Schuljahr ins zehnte Jahr geht, nur unter Gesichtspunkten des Marktes zu betrachten, würde für das Projekt jedenfalls das sofortige Aus bedeuten. Aber auf der Ebene des sozialen und neugierigen Menschen macht sie Sinn und kennt ausschließlich Gewinner. Es gehe, so Helmut Mehrer als einer der Begründer, um Beziehungen, Vertrauen und gemeinsames Lernen und Entdecken. Das Ziel sei eine anständige Gesellschaft, in der jeder Mensch die Chance habe, seinen Platz zum Sein zu finden.

Die Idee, so Bürgermeister Ralf Göck und Juliane Groß, Schulleiterin an der Jahnschule, sei bestechend einfach. Ältere Menschen gehen an Grundschulen und begleiten einzelne Schüler oder Schülergruppen an der Seite von Lehrern eine Weile auf ihrem Schulweg.

Am Anfang, im Sommer 2008, habe die Idee einer Schach-AG gestanden. Der damalige Rektor der Jahnschule, Michael Körber, und der Pädagoge Mehrer wollten den Kindern neben dem Schulbetrieb Bildung ermöglichen. Aus der Schach-AG an der Jahnschule wurde dann schnell eine umfassende und unverzichtbare Bildungsinstitution an allen drei Grundschulen der Gemeinde.

Rund 30 ältere Menschen gehen an die Schulen und holen die zur Zeit rund 100 Grundschüler nicht nur räumlich da ab, wo sie gerade stehen, sondern es werde ganz flexibel auf die verschiedensten Bedürfnisse eingegangen. Das Leistungsangebot reiche dabei von Opa und Oma über Nachhilfelehrer und Brückenbauer bis hin zu Freund und Berater in fast allen Lebenslagen. "Von Mathematik bis Herz machen wir alles", sagte Mehrer.

Dabei müssen die Ergebnisse wissenschaftlich gar nicht erst groß untersucht werden, um vom Sinn und der Wichtigkeit dieser Aktion überzeugt zu werden. Es genügt ein Blick in die Augen der Schüler und Senioren. Es ist sicher nicht die einzig wichtige Beziehung, aber sie gehört dazu und prägt. Denn neben den Effekten in den einzelnen Fächern geht es den Protagonisten auch ums Grundsätzliche. Die Erfahrung, es hilft ein Mensch ohne jede Erwartung, kommt in einer zunehmend ökonomisch geprägten Welt immer seltener vor und erscheint im Blickwinkel der Ökonomie auch ohne Wert.

Für den Menschen in der Gesellschaft ist die Aktion dagegen von unschätzbarem Wert. Und zwar, so Mehrer und Göck unisono, nicht nur für die Kinder, sondern auch für die Senioren. Für Mehrer bedeutete das Gefühl, eine Aufgabe zu haben und gebraucht zu werden, Sinn und Glück und in der Folge auch bessere Gesundheit. "Der Mensch ist ein soziales Wesen und er braucht das Gefühl benötigt zu werden."

Für den Bürgermeister führt die Bedeutung dieser Aktion übrigens auch über die direkt Betroffenen hinaus. In seinen Augen macht die "Aktion 60 plus" die Gesellschaft insgesamt zu einem besseren Ort. Es sei Engagement wie dieses, das einen Unterschied zwischen einer anständigen und einer rücksichtslos-egoistischen Gesellschaft mache. Gerade im Kontext der Kinder von zugewanderten Familien komme der "Aktion 60 plus" einige Bedeutung zu. Sie entscheide, davon zeigte sich Göck überzeugt, mit über den Erfolg der Integration.

Info: www.bruehler-aktion-60-plus.de


 

 

 

 

 

 

SZ 24.06.2017

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

SZ 06.04.2017

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

SZ vom 05.04. 2017

 

SZ 28.01.2017


 

SZ 22.01.2017





















SZ 29.09. 2016


Aktionsgruppe 60+: Erstes Treffen nach der Sommerpause / Kollegien melden bereits vielfältigen Bedarf der Zusammenarbeit an

Senioren engagieren sich in den Schulen sozial-karitativ

Brühl. Mit einem überzeugten Bekenntnis zur Zusammenarbeit und ihrem vollen Vertrauen begrüßte die erst jüngst ernannte kommissarische Schulleiterin der Jahnschule, Juliane Groß, die Unterstützer ihrer Bildungseinrichtung von der Aktionsgruppe 60+. "Wir sind auf Sie angewiesen, weil wir nicht die Probleme aller Kinder, die zu uns kommen, als Institution Schule wirklich adäquat lösen können", betonte sie, "ich bin gespannt auf die Zusammenarbeit und danke Ihnen für die Übernahme Ihres Ehrenamtes".

Im Namen der engagierten Seniorengruppe dankte deren Sprecher, Helmut Mehrer, für die Anerkennung ihrer Arbeit. "Uns ist es wichtig, sich sozial und karitativ zu engagieren", fasste er die Beweggründe seiner Mitstreiter zusammen. Die Menschen aus der Großelterngeneration wollen die Schüler zum Lernen motivieren und deren Fähigkeiten fördern, die in der Schule und im späteren Leben nützlich seien. Er sah die Anerkennung dieser Arbeit durch die Schulen als Ausdruck des in den vergangenen Jahren gewachsenen Vertrauens.

Wunschpartner genannt

Wie eng und beinahe selbstverständlich dieses Zusammenwirken ist, war zu erleben, als Brigitte Lessing von der Schillerschule bei diesem ersten Treffen nach den Sommerferien ihre Aufgabenliste weitergab. Praktisch alle Lehrkräfte, die mit der Aktionsgruppe 60+ arbeiteten, hatten dort die Namen ihrer Wunschpartner für die Zusammenarbeit genannt.

Schulsozialarbeiter Sebastian Köppe, Koordinator an der Marion-Dönhoff-Realschule, bedankte sich zunächst, bevor er besonders zwei Mitglieder der Gruppe, die während der Ferien ihr Schützlinge weiter unterrichtet hatten, hervorhob. Seine Liste der künftigen Kooperation mit den Senioren war zwar bescheidener, doch gleichzeitig kündigte er weiteren, noch nicht ermittelten Bedarf an: Die "Lernstandserhebungen" des Kollegiums seien noch nicht abgeschlossen, so Köppe.

Auch im noch jungen Schuljahr will der Psychologe und Theologe Peter Kruse aus Heidelberg die Brühler Mannschaft von 60+ entsprechend "coachen". Aus seinen Erfahrungen mit dem Training angehender Schulleiter brachte er zu diesem ersten Treffen der Saison die Themen "Nachhaltigkeit" und "Rituale" mit.

Manchen Schülern fehlen Rituale

Vor allem junge Muslime an deutschen Schulen, so trug er vor, würden sich häufig wundern, dass in Deutschland Religion eine Nebensache sei. "Sie vermissen Rituale, die den Alltag gliedern und dem Leben Ernst und Würde geben", fasste er seine Beobachtungen zusammen.

Gerne übernahm Kruse auch den Wunsch der Senioren, über "Resonanz" zu informieren, einem, wie er betonte, tiefen Bedürfnis der Menschen. "Wir alle wollen von unseren Mitmenschen Echos bekommen auf das, was wir denken und tun", fasste er zusammen, "so erhalten wir Beziehungen aufrecht und vergewissern uns auch selbst der Übereinstimmung mit unserer Umwelt".

Die erste Arbeitssitzung mit Peter Kruse legten die Anwesenden auf Donnerstag, 10. November. Das Treffen soll um 16 Uhr in der Schillerschule stattfinden. Eingeladen seien aber nicht nur langjährige Mitmacher, erklärt Gruppensprecher Helmut Mehrer, sondern auch alle, die "sich von der Arbeit für junge Menschen eine persönliche Bereicherung erwarten". sr/ras

© Schwetzinger Zeitung, Donnerstag, 29.09.2016


SZ vom 12.07.2016

Aktion 60+: Senioren ziehen positive Bilanz ihrer bisherigen Betreuungsarbeit / Schülern einen guten Start ins Leben gegeben

Mit zwei Isländern und zwei Armenierinnen fing es an

Brühl. Einen gastfreundlichen Auftakt bescherten Schulsekretärin Andrea Heckmann und Schulsozialarbeiter Sebastian Köppe den Besuchern: Sie hatten einen Raum der Marion-Dönhoff-Realschule blau-weiß geschmückt - in den Brühler Farben. Rektor Martin Jendritzki begrüßte die Gäste der Aktionsgruppe 60+. Schon in seinem ersten Amtsjahr habe er festgestellt, wie erfolgreich die Senioren dieser Gruppe mit seinen Schülern arbeiteten, betonte er und brachte weiter zum Ausdruck, er freue sich, sie an der Realschule zu haben.

Selbstverständlich freute die Mitglieder der Aktionsgruppe 60+ das Lob des Rektors, doch sie waren, wie sie bescheiden feststellten, vor allem in das Schulhaus gekommen, um mit ihrem Ansprechpartner Sebastian Köppe Bilanz zu ziehen.

Motivation und Erfolge

In den Wochen zuvor hatten sie ihre Arbeit entsprechend bilanziert und trugen nun ihre Erkenntnisse vor. Rosmarie Merkel etwa dankte ihren Mitstreitern für die gegenseitige gezeigte Achtung, zugleich auch für die Chance, ihre Erfahrungen mit jungen Menschen teilen zu können und ihnen so "einen besseren Start ins Leben zu ermöglichen".

Peter Laucks würdigte die Partnerschaft mit den Lehrern. Viele Erfolge seien darauf zurückzuführen, dass die Mitglieder der Aktionsgruppe bei Gesprächen über Schüler und Arbeitsmethoden ernstgenommen und mit Tipps ausgestattet worden seien. Als immer wieder erfrischend bezeichnete Françoise Gaillard-Schumacher, das wachsende Vertrauen der Schüler zu spüren. Ein Flüchtlingskind habe sie miterleben lassen, wie es nach der Ankunft seine Ängste überwunden habe und nun Lernprojekte für die kommenden Jahre plane.

Integration und Frieden

Das Engagement für Migranten zog sich dann als roter Faden durch die Aussprache. 60+ betreute 2009 neben Brühler Schülern zunächst zwei isländische Jungen und zwei armenische Mädchen. Dann wuchs der Anteil muslimischer Kinder in der Arbeit der Gruppe.

2012/13 hatte die Aktion in einer Lesung ihre Hoffnung auf ein friedliches Zusammenleben der Religionen unterstrichen. Das jüngste Kapitel trugen Dittmar Köhler, Helmut Mehrer und Horst Zohsel vor. Ihre Botschaft: "Nicht über religiös-pervertierte Kriege klagen, sondern für Gottes Gebot an Abraham werben, derjenige, der das 'Sei ein Segen' ernst nimmt, muss für Frieden, Gerechtigkeit und die Gemeinschaft der Völker eintreten."

Und dann wurde gefeiert: Mit Wasser, Saft, alkoholfreiem Weizen und einer deftig-wohl-schmeckenden bayerischen Brotzeit - dankenswerterweise serviert von Rosmarie Merkel.

Aktionssprecher Helmut Mehrer lud schließlich zum nächsten Treffen ein. Geplant ist Donnerstag, 22. September, in der Jahnschule. sr

© Schwetzinger Zeitung, Dienstag, 12.07.2016




SZ vom 18.05. 2016

Brühler Aktion 60+ - Einblicke mit Peter Kruse

Unsicherheit wächst, aber Fürsorglichkeit auch 

„In einem breiten und langsamen Wandel verändert sich die deutsche Gefühlswelt. Die traditionellen Rollen, in die Jungen und Mädchen einst hineinerzogen wurden, lösen sich auf. Noch vor einem halben Jahrhundert trennten die Familien die Erziehung ihrer Kinder deutlich voneinander.  Töchter wuchsen behütet und gefühlsbetont auf, Jungen hingegen sachlich, klar und auf  die Realität bezogen. Die Folgen: Junge Männer waren oft ungelenk, stoffelig, die jungen Frauen  hingegen zwischenmenschlich und kommunikativ – ein Vorteil in der offenen Gesellschaft heute, die ‚emotionale Intelligenz‘ fordert.“

Das Ende der alten Vorbilder

Im schön vorbereiteten Konferenzraum der Schillerschule hielten Peter Kruses ZuhörerInnen aus der Großelterngeneration den Atem an. Als er dann aber ein Kapitel aus dem jüngsten Buch des Münchner Arztes Werner Bartels (‚Empathie‘) vorlas, entspannten sich die Mienen: Die einst klaren Grenzen verschwimmen, die Männer holen emotional auf.  Die erste Folge ist eine wachsende Unsicherheit Zuverlässige Vorbilder gehen verloren.

Der Gewinn: Fürsorglichkeit

„Wer hat diesen Wandel gemacht, woher kommt er?“, wollten die Anwesenden wissen. Kruse nannte ihn autonom, er sei nicht beeinflussbar, biete aber Chancen. Das Verständnis miteinander  wächst, zum Beispiel mit den Lehrern, deren Leistung inzwischen von 59% eines befragten Querschnitts mit gut und sehr gut bewertet wurde. Neun Prozent mehr als noch vor sieben Jahren! Die Schulen seien durchlässiger geworden. Eine Initiative wie 60+ hätte es Mitte des letzten Jahrhunderts noch nicht gegeben. Auch die „Willkommenskultur“ nicht.  

Die Notwendigkeit des Mitgefühls

In einem improvisierten Sketch (Rollenspiel) präsentierten zwei Freiwillige spontan, wie es einem Mitglied von 60+ gelingen kann, einen störrischen Schützling zu öffnen. Der Applaus für die beiden war eher Nebensache: Die Zuschauer fühlten mit ihnen und analysierten anschließend die „Weichen“  des Ablaufs: Stellen, an denen es Alternativen zu der sich herausbildenden Entwicklung  gegeben hätte.

Nach diesem fulminanten Treffen wird die Aktion 60+ moch einmal vor dem Schuljahresende zusammenkommen. Am 7. Juli in der Realschule.




Peter Kruse spricht über positive Motivation

Schlummernde Fähigkeiten

BRÜHL. In zwei Monaten wird die Brühler Aktion 60+ auf acht Jahre  an den Brühler Schulen zurückblicken. Seit sechs Jahren wird sie dabei von dem Psychologen Peter Kruse begleitet. Ständig neue Perspektiven des Zusammenlebens werden dabei beleuchtet. Nun stehen Ziele und zukünftige Fähigkeiten im Mittelpunkt. In aller Regel erfahren die Senioren, dass ein Schützling in dem einen oder anderen Fach Defizite hat. Negatives lässt sich aber nicht einfach fassen und beheben. Sinnvoller ist es, Lücken und Probleme in Fähigkeiten umzuwandeln, mit dem Schüler zu besprechen und sich auf Ziele zu einigen, so der Psychologe. Die Erfahrung zeigt dabei, dass junge Menschen in einem ersten Schritt solche Einigungen akzeptieren. Sehr bald aber stellt sich die Frage nach dem Nutzen einer Fähigkeit. Peter Kruse wird das mit den Senioren in der Schillerschule am Donnerstag, 12. Mai, um 16.30 Uhr besprechen

Peter Kruse spricht über positive Motivation

Schlummernde Fähigkeiten

BRÜHL. In zwei Monaten wird die Brühler Aktion 60+ auf acht Jahre  an den Brühler Schulen zurückblicken. Seit sechs Jahren wird sie dabei von dem Psychologen Peter Kruse begleitet. Ständig neue Perspektiven des Zusammenlebens werden dabei beleuchtet. Nun stehen Ziele und zukünftige Fähigkeiten im Mittelpunkt. In aller Regel erfahren die Senioren, dass ein Schützling in dem einen oder anderen Fach Defizite hat. Negatives lässt sich aber nicht einfach fassen und beheben. Sinnvoller ist es, Lücken und Probleme in Fähigkeiten umzuwandeln, mit dem Schüler zu besprechen und sich auf Ziele zu einigen, so der Psychologe. Die Erfahrung zeigt dabei, dass junge Menschen in einem ersten Schritt solche Einigungen akzeptieren. Sehr bald aber stellt sich die Frage nach dem Nutzen einer Fähigkeit. Peter Kruse wird das mit den Senioren in der Schillerschule am Donnerstag, 12. Mai, um 16.30 Uhr besprechen.